Die Karosserie

Immer wieder wird behauptet das die Karosserie des Karmann-Ghia auf einer Käfer Bodenplatte sitzt, das ist nur halb richtig. Die Karmann-Ghia Bodenplatte ist an beiden Seiten ca. 5 cm breiter und läuft vorne nicht so spitz wie beim Käfer zu. Das Chassis ist identisch mit dem eines Kübel Typ 181 oder des eines Fridolin Typ 147. Wer der Form des Karmann-Ghia verfallen ist, sollte eines grundlegendes beachten: Die Karosserie ist komplett verschweißt, und es wurden von Seiten Karmann keine rosthemmenden Vorsorgemaßnahmen getroffen (Die Schweller sind sogar blank).

Deshalb sollte man beachten das eine komplette Restaurierung (wenn man nicht pfuscht und nur ein Blech drüberbratet) in Regionen abdriftet die eines Porsche 356 gleichen, preislich und arbeitsmäßig. Hier ein paar Beispiele für Blechpreise: Ein vorderer Kotflügel kostet so um die 700 EUR, der hintere liegt da bedeutend teuerer mit bis zu 1.000 EUR. Die Frontmaske, die wegen Steinschlag besonders rostanfällig ist, ist mit 1.450 EUR auch nicht gerade ein Schnäppchen. Da liegen die Bodenhälften mit ca. 200 EUR pro Seite schon im normalen Bereich. Einige Händler bieten auch Bodengruppen im Tausch an für ca. 1.200 EUR. Dies alles gilt aber nur für Karmänner die nach August 1959 gebaut wurden, alle Baujahre zuvor hatten vorne und hinten andere Kotflügel die, wenn man überhaupt einen findet locker noch mal 70% teurer sind.

Wenn ein Karmann-Ghia gefunden worden ist, sollte darauf geachtet werden, daß alle Chromteile vorhanden sind, wenn nicht, dann wird’s richtig teuer: Exportstoßstangen (die mit den Bügeln) können bis zu 1.000 EUR kosten (pro Stück versteht sich). Ein Innenspiegel mit Halter für Innenleuchte für Baujahr 1967 kostet z.B. 175 EUR. Fensterschachtzierleisten, Zierblenden auf den B-Säulen und Türgriffe (vor 68) zählen auch nicht gerade zu den Sonderangeboten.

Nun zurück zum Blech: Durch den Schmutz der durch die Vorderräder auf die Lampentöpfe und die Nasenlöcher (die Lufteinlässe zwischen den Scheinwerfern) geschleudert wird und Feuchtigkeit bindet, sind diese zu 90% durchgerostet. Das gleiche gilt für Luftkanäle die, die Frischluft von den "Nasenlöchern" in den Innenraum leiten. Dort wo die seitlichen Stehbleche auf die Frontmaske treffen, wurde damals eine Gummidichtung montiert. Da Gummi im Laufe der Jahre spröde wird, dringt an der Stelle Wasser in den Kofferraum. Bei meiner Restaurierung habe ich keine Gummidichtung mehr verwendet, sondern den Spalt mit Karosseriedichtmasse abgedichtet. Das eingedrungene Wasser macht sich in der Reserveradmulde breit und führt dort zu Durchrostungen. Als tolles Rostnest zählen die Versteifungsbleche in der Reserveradmulde die ungefähr 4 mm über dem Boden eingeschweißt sind. Unter denen sammelt sich Dreck an, der dann feucht wird und dann, du weißt schon. Die Modelle die den Tankeinfüllstutzen im Kotflügel haben sind an diesem auch zu betrachten, auch dort rostet der Karmann-Ghia gerne.

Von vorne nach hinten kommen wir jetzt an der A-Säulen vorbei: Die schraubbaren Schottbleche im vorderen Radhaus sollte man unbedingt herausnehmen, dann hat man nämlich einen guten Blick auf die A-Säule, die durch das Wasser was durch die poröse Dichtung hinter die Schottbleche gelangt meistens sehr mitgenommen aussieht. Das Wasser läuft auch bis in die Schweller rein wo es (durch fehlenden Lack) besonders gute Arbeit leistet. Der Schweller besteht aus 3 Teilen (beim Cabrio aus 4), im günstigsten Fall ist nur der Außenschweller betroffen (ist aber selten). Am Häufigsten sind Außenschweller, Heizungsrohr und beim Cabrio die Verstärkung angegriffen. Diese Mängel wurden oft einfach dadurch behoben, daß ein großer Außenschweller drübergebraten wurde.. Dies kann man aber erkennen wenn am Ansatz des vorderen Kotflügel und im hinteren Seitenteil eine kleine Sicke fehlt. Oft sind diese Sicken auch einfach zugespachtelt, genau wie der rundeDeckel vor dem hinteren Radlauf, der dazu dient die Drehstäbe herauszunehmen. Wenn im Schwellerbereich eine vernünftige Arbeit geleistet werden soll, ist ein Abheben der Karosserie unabdingbar. Dafür müssen vor dem Abnehmen weitreichende Karosserieversteifungen eingeschweißt werden.

Vorprogrammiert hat Karmann den Rost an den hinteren Radläufen, denn wo Radhaus und Kotflügel zusammentreffen, setzten die Osnabrücker einen Filzstreifen zur Geräuschdämmung ein. Und dieser Streifen saugt sich voll Wasser, was dann die Korrosion des Radlaufes zur Folge hat. Auch wenn die Radläufe von außen noch einen guten Eindruck machen, sollte man die Teerpappe (falls vorhanden) aus dem Motorraum entfernen und den Radlauf von innen inspizieren. Bitte nicht den Abschluß des Seitenteils in Höhe der Stoßstange vergessen, durch verstopfte Ablauflöcher sammelt sich auch hier feuchter Dreck. Nicht zu vergessen sind natürlich Kanten von Hauben und Türen. Türen sind neu nicht mehr lieferbar und Cabriotüren sind immer etwas teurer. Vom Chassis kann man sagen das es durch seinen vielen Sicken besonders rostanfällig ist (bei mir extrem). Beim Cabrio sollte man sich den Kofferraum hinter den Sitzen anschauen und nach Feuchtigkeit untersuchen, auch der rostet gerne durch.

Die Mechanik

Da die Technik vom Käfer stammt hat der Karmann einen Ruf als zuverlässiges Auto. Abnutzungserscheinungen wiesen nur die bis 1965 gebauten Vorderachsen mit Bund- und Achsschenkelbolzen auf. Die danach produzierten Karmänner haben eine Vorderachse mit Traghebel und Achsschenkel die über Kugelgelenkbolzen (wartungsfrei) verbunden war.

Der Motor hat am dritten Zylinder (in Fahrtrichtung vorne links) mit Hitzeproblemen zu kämpfen, dies kann zu einem Kolbenklemmer führen. Es liegt an dem Ölkühler, der dem 3. Zylinder die Luft klaut, (deshalb ab 1970 etwas versetzt eingebaut) und oder können auch die Kühlrippen von einer Öl- und Dreckschicht überzogen sein. Bei dem Ansaugrohr kann es vorkommen das das Vorwärmrohr von innen zugerostet ist, dadurch kann der Vergaser vereisen. Zu Undichtigkeiten kann es an den Stößelschutzrohren und an den Ventildeckeldichtungen kommen. Die Ventildeckeldichtungen wandern gerne nach innen.

Motorhistorie: 1955 1200 ccm und 30 PS
Ab 1960 1300 ccm und 34 PS
Ab 1965 1500 ccm und 44 PS
Ab 1969 1600 ccm und 50 PS

Innenausstattung und Verdeck

Die Seitenscheiben verkratzen gerne, da die runden Führungsstifte sich gerne verdünnisieren. Ersatzscheiben sind teuer: Coupé ca. 125 EUR und fürs Cabrio werden gerne doppelte Preise verlangt. Sitzbezüge und Seitenverkleidungen sind als Nachfertigungen lieferbar, aber nur in schwarz. Für das Verdeck gibt es noch alles: Außenhaut, Polsterung und Innenhimmel sind in allen Farben und Qualitäten zu bekommen. Teuer wird der Ersatz von Chrom- und Holzteilen. Nachfertigungen von Verdeckspriegel sind zu bekommen, kann ich aber wegen ungenügender Passgenauigkeit nicht empfehlen. Für ein Original müssen bis zu 370 EUR ausgegeben werden. Der Teppich sollte überall hochgehoben werden um nach Rost und Feuchtigkeit zu suchen, auch ein Blick unter die Rückbank sollte nicht vergessen werden.